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Gesprächsanalyse im bilingualen, englischsprachigen Chemieunterricht als Diagnosemöglichkeit für kognitive Prozesse

Der bilinguale Unterricht hat sich im deutschen Schulsystem längst etabliert. Während er oft genutzt wird, um den Gebrauch einer Fremdsprache durch authentische Rahmenbedingungen zu verbessern, wurden die Vorteile für den Lehrer bisher nicht untersucht. Die Verwendung einer Fremdsprache im bilingualen Klassenzimmer, die zu sprachlichen Stolpersteinen führt, ist eine große Herausforderung für die Lernenden. Infolgedessen kommt es seitens der Lernenden zu einer stärkeren Reflexion über den Sprachgebrauch der Fremd- und Muttersprache und zu einem höheren Erklärungsbedarf. Der Lernprozess wird in kleineren Schritten durchgeführt. Es wird angenommen, dass die Gesprächsanalyse des bilingualen Klassendiskurses einen Einblick in kognitive Prozesse geben kann, die durch den muttersprachlichen Unterricht nicht möglich ist.

Diese Arbeit beschreibt eine qualitative Studie, die sich auf die Analyse des Unterrichtsdiskurses im Rahmen des modularen bilingualen Unterrichts konzentriert. Eine Unterrichtssequenz zur Neutralisationsreaktion wurde entwickelt und in drei verschiedenen Lerngruppen durchgeführt. Die Analyse wurde mit Hilfe von Audioaufnahmen und Concept Maps durchgeführt. Die Ergebnisse dieses ersten Lehrzyklus wurden anschließend in einem zweiten Schritt genutzt, um die Unterrichtsreihenfolge zu ändern. Die neue Sequenz wurde in drei verschiedenen Lerngruppen durchgeführt.

Insbesondere Unterbrechungen des Sprachflusses, Veränderungen im Sprachgebrauch und repetitive Sprachmuster lassen Rückschlüsse auf die Verarbeitung abstrakter Konzepte zu. Die Studie konzentrierte sich hauptsächlich auf die Verwendung der chemischen Formelsprache durch die Lernenden.

Die folgenden Schlussfolgerungen können aus dieser Studie gezogen werden:

  • Der zweisprachige Unterricht ist ein geeignetes Instrument zur Diagnose der kognitiven Fähigkeiten der Schüler
  • In den Phasen, in denen die Fremdsprache verwendet wird, werden die Lernenden einer tieferen Reflexion ihres Sprachgebrauchs, über ihre Möglichkeiten ihre chemischen Überlegungen auszudrücken, unterzogen.
  • Die Schüler neigen dazu, auf der Ebene konkreter Operationen und Phänomene zu argumentieren. Sie berücksichtigen bei ihrer Argumentation die Materialien, die ihnen direkt zur Verfügung stehen.
  • Die Schüler nutzen die chemische Formelschreibweise nicht als universelle Methode, um chemische Informationen auszudrücken, so dass Inhalte nicht immer zwischen den Sprachen mit Hilfe von Formeln übertragen werden können. Dies führt zu einer gleichzeitigen Nutzung beider Sprachen.
  • Es konnte gezeigt werden, dass die bildliche Darstellung eine wichtige Strategie für das Verständnis von symbolischer und Modellebene ist.
  • Der zweisprachige modulare Unterricht kann auf verschiedenen Leistungsstufen eingeführt werden, wenn ein angemessener Hintergrund zur Verfügung gestellt wird.

Zur Dissertationsschrift: urn:nbn:de:hbz:468-20170825-140745-2